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  • Sterben Subkulturen aus? Geht der Trend zur Mischkultur?

     fungie aktualisiert vor 1 Monat, 1 Woche 3 Mitglieder · 9 Beiträge
  • Gimbal 

    Mitglied
    23. Oktober 2020 um 17:28

    Super interessante Frage, hier am Beispiel der Metal-Szene aufgegriffen:

    Dazu Mal meine Anekdote, die ich auch unter dem Video kommentiert habe:

    Wirklich ein sehr interessantes Thema. Ich habe diesen Zugehörigkeits-“Quatsch” in den 90er Jahren selbst miterlebt. So gesehen war ich “Raver”. Die “Mayday” in Dortmund war mein Kirch-Gang bzw. der Tanz der Familie im heiligen Rave-Tempel. 😉 Ich höre aber auch schon ungefähr genau so lange Hip Hop, nur damals nicht ganz so exzessiv wie “Techno”. Metal kam etwas später dazu, aber spielt bis heute eine große Rolle in meinem Musikgeschmack. Den Beef zwischen Hoppern und Ravern fand ich immer schon affig, teilweise richtig nervig. Und es gab natürlich auch viele Metal-Heads, die Techno richtig gehasst haben und Hip Hop auch lächerlich fanden. Mir ging das nicht in den Kopf, da ich ja allem viel abgewinnen konnte. So gesehen betrachte ich die Verschiebung von einer Sub- zur Mischkultur zum Großteil positiv. Das erste Mal richtig wohl gefühlt habe ich mich auf “Drum & Bass”-Parties in Köln in den frühen 2000er Jahren. Dort ist etwas interessantes passiert: Die damals noch bestehenden Sub-Kulturen sind aufeinander getroffen und haben friedlich miteinander gefeiert. Optisch konnte man dabei ganz klar erkennen, wer im bunten Neopren-Dress, im viel zu weiten Gangster-/Hopper Outfit oder eben mit schwarzem Band-Shirt unterwegs war. Für mich war das damals wie eine kleine (R)evolution, die sich wie eine Befreiung (meines Musikgeschmacks) angefühlt hat. Ich war auf einem Drum & Bass “RAVE” und habe mit Hoppern und Metal-Heads gemeinsam die Tanzfläche unsicher gemacht. Auch ganz witzig, dass hier verschiedene “Tanz”-Stile aufeinander trafen. 🙂 Aber die Toleranz war enorm – nun gut, es war halt auch Köln, nicht wahr. 🙂

    Die musikalische Weiterentwicklung im Bereich “Mash-Up” von Stilen war natürlich auch super cool und interessant. Die Band “Pendulum” ist nicht ohne Grund so erfolgreich. Gerade Drum & Bass hatte immer schon viele Einflüsse aus anderen Genre und da war es eigentlich nur überfällig, dass sich auch Mal eine Rock-Band dem Drum & Bass bedient. Der Hype war riesig und wie ich finde gerechtfertigt. Tja und bei Hype denke ich gerade an “Hypa Hypa”, dem vermutlichen Versuch sich aus dem Metal-Core Bereich dem “Pop” anzunähern. Wirklich “Radio-tauglich” wird Metal-Core vermutlich nie, denn ohne Härte irgendwie auch kein Core?! Aber ja: Was soll denn jetzt noch kommen? Es gibt doch kaum ein Mash-Up, dass es noch nicht gab?!

    Sowohl die Entwicklung der Musikstile an sich, als auch der zugehörigen (Sub-)Kulturen ist wirklich ein spannendes Thema und da kann wohl keiner in die Glaskugel schauen.

  • GitKlar

    Mitglied
    23. Oktober 2020 um 19:18

    Hehe, der Thread hätte von mir sein können, da ich ja mit Metal viel zu tun hatte und es immer noch tu.^^ Aber nice, dass noch andere hier gibt, die sich dafür interessieren.

    Ich tu mich mit solchen Fragen verdammt schwer. Wie schon in meinem 1. Absatz abzulesen, steckt zwar schon n Community-Gedanke hinter, der aber immer die Gefahr läuft, abzugrenzen, wodurch u.a. auch die diversen Subgenres zustande kommen. Grundsätzlich begrüß ich die Bewegung zu ner Mischkultur sehr, denn grade auch im Metal ist das Subgenre-Denken über die Jahre echt schlimm geworden, aber das war wie gesagt auch schon früher so. Metal & Hip Hop zusammen? Blasphemie! Dachte man zumindest, bis Korn, Limp Bizkit, Slipknot & Linkin Park kamen, und die Welt auf den Kopf gestellt haben. Grade von Slipknot & Korn bin ich auch heute noch großer Fan.

    Auch bei der Fusion aus Metal & elektronischer Musik gibts spannende Acts: Animals as Leaders, Celldweller, Fear Factory, Igorrr, Varien, nur um mal einige Beispiele zu nennen. Alles ziemlich unterschiedliches Zeugs, aber irgendwo verbinden alle Elemente aus den 2 Welten miteinander. Und trotzdem schaffen es viele nicht, sie einfach als Teil der Metal-Szene und der Entwicklung dieser mit anzusehen, und machen dafür lieber 1.000 eigene Subgenres von Metal oder EDM auf, was aber auch wieder nur zur Abgrenzung führt.
    In diesem Statement ist auch Vieles drin, was ich unterschreiben kann:

    Thema Radiotauglichkeit… nun, Metallica lief (und auch aktuell wieder) mit Nothing Else Matters & Enter Sandman öfters hier in den Radios. Taugt mir nicht mehr wirklich, und ja, Big Name und so, aber immerhin.

    Das ist mittlerweile mein Standpunkt zur Sache, für mich fällt das alles mit in die Metal-Schiene rein, weshalb für mich Metal (oder im Prinzip jedes andere Genre auch) nie aussterben wird. Es entwickelt sich nur ständig weiter, und das ist ja auch spannend. Den 20. 80s Metal-Clone zu hören brauch ich nicht unbedingt mehr, auch wenns andere Insider als true bezeichnen würden (*hust* Manowar *hust*). Würden Metal und andere Szenen nen weiteren Blick für haben, was die Musik repräsentiert, würde sich denk ich die Frage des Aussterbens kaum wirklich stellen. Aber da steht halt wohl oft der Purismus zum Altgewohnten im Wege.

  • fungie

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 00:18

    Ich bin der Meinung, das dieses algorhythmus generve bei youtube leicht mal den eigenen horizont trueben kann. btw. der youtubechannel ist meines erachtens auch ein popmagazin fuer metal musik.
    es geht halt nur noch um die massentauglichkeit. Wenn man bei youtube edm eingibt kommt auch nur die endlose drop musik. dagegen ist futorial ja schon underground. und wenn man metal eingibt kommen halt unterhaltungvideos djent riffs. finds persoehnlich nicht so besonders.

    mal abgesehen von sehr alternativen sachen mag ich selbst diese grungigen leichtgaengige metalmusik mit popschema eigentlich relativ gerne. (wenn man jetzt von slipknot etc ausgehen wuerde)

    hier ein beispiel wo sich das meiner meinung nach hinentwickelt.

    https://voiddroid.bandcamp.com/album/bipolar

  • Gimbal 

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 10:30

    Nur vorsorglich, bevor das hier evtl. untergeht: ICH war es zwar, der die Glaskugel-Debatte bzgl. Musik-Stil-Entwicklung aufgegriffen und angesprochen hat, aber das ist völlig sekundär.

    Die viel interessantere Frage (und das Thema an sich) ist hier ja: Fühlen sich junge Menschen heutzutage noch einer einzigen Subkultur komplett zugehörig? Machen sie sich “die Mühe” in die Geschichte hinter einer Musikrichtung abzutauchen, interessieren sie sich für Band- oder eben DJ-Biografien? Passen sie ihren Kleidungstil an ihren Musikgeschmack an und falls ja, was sind dabei ihre Vorbilder? Beim Thema Kleidung scheint man es beim Metal noch recht einfach zu haben: Insgesamt relativ dunkel und Band-Shirts only! ABER: Tragen das junge Leute auch im Alltag? Tragen sie es ausschließlich? Lassen sie sich wegen der Musik ihre Haare lang wachsen? Also bei Ravern und Hoppern sind modische Stellungnahmen durchaus krass zurück gegangen. Da habe ich lange keine eindeutig gekleideten Menschen mehr gesehen.

    Ein weiterer Punkt im Parabelritter-Video ist ja die Gruppen-Zugehörigkeit und ein daraus erhofftes Gefühl von Akzeptanz innerhalb einer Szene, sowie ein Gefühl von Geborgenheit in einer (zweiten) Familie.

    Musikstile sterben niemals aus! Selbst die kleinste Nische (Sub-Genre) wird irgendwo auf der Welt weiter von einer handvoll Menschen gehört. XY never dies! Ja, kenn ich den Spruch. 😉 Nochmals sorry für das Missverständnis. Die Frage im Threadtitel ist aber eine andere.

  • fungie

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 11:24

    Aber baut nicht die Bildung einer Subkultur evtl mit entsprechender kleidung nicht auf einer gemeinsamen wahrnehmung des Musik feelings auf?

    mal als beispiel die goa leute.

    musik, deko der party und kleidung ist ja ziemlich aufeinander abgestimmt. Alles koennte man als psychedelisch bezeichnen.

    was ich an dieser subkultur im zusammenhang mit dem tema interessant finde ist das die erkennung von goa sehr einfach ist. es gibt einfach nur 4 verchiedene rhythmen. dadurch ist es umso wahrscheinlicher das auch alle teilnehmer das selbe feeling an der musik feiern.

    was auch noch sehr wichtig ist, ist das der hype den flow nicht ueberwiegt.

    daher mein argument mit der edm youtube suche. ich meinte im uebrigen unendliche built up musik.

    andauerder hype. dadurch eine bessere massentauglichkeit. leicht verdaulich aber nicht gehaltvoll. daher keine bildung von kultur. vlt laueft das auf dem tomorrowland auch so fuer die einmalige lebenserfahrung. in dem fall ist es halt eine eintagskultur.

  • GitKlar

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 11:52

    So sekundär find ich die Entwicklung von Musikstilen und der Zugehörigkeit der Fans dahinter nichtmal.

    Schließlich gabs vor 40 Jahren nur ne Handvoll Arten von Metal. Und damit einhergehend auch n viel einheitlicheres Image, was die Metal-Szene repräsentiert. Mittlerweile gibts Hunderte, und genauso haben sich auch die Communities, der Konsum, und das Styling weiterentwickelt. Der Dresscode als Metalcore-Fan z.B. ist n ganz anderer als der von nem klassischen Heavy Metaller.

    Dementsprechend hat man bzgl. der Zugehörigkeit ne größere Wahl, was gleichzeitig aber auch dazu führt, dass nicht jeder die Metal-Szene als Ganzes feiern wird. Und dass das klassische Image von nem Metaller mit der Zeit wegbricht, sollte daher nicht verwundern.

    Daher gibts mittlerweile Viele (ob jung oder alt spielt gar nicht so die Rolle), die auch Metal hören, denen mans aber z.B. rein äußerlich gar nicht ansieht. Den Alex (Dunkler Parabelritter) würd ich btw zu nem gewissen Teil auch dazuzählen.

    Ob das auch Probleme mit sich bringt, ist ne Frage des Umgangs: Viele Oldschool Metal-Fans z.B. können die Metalcore-Schiene nicht als Teil des Metal akzeptieren, und so spaltet sich die Szene auch zu nem gewissen Grad voneinander ab. Ähnliche Differenzen gibts auch zu diversen Vertretern des Djent, v.a. bzgl. der Instrumentierung (Einsatz von Extended Range-Gitarren, Downtunings etc.).

    Für die Akzeptanz innerhalb der Metal-Szene als Ganzes ist jeder n Stück weit mit verantwortlich. Ob mans schafft, bleibt abzusehen. Vmtl. wirds da nie n klares Ja oder Nein geben, weil das auch davon abhängig ist, mit wem man zusammenkommt, und wie die Leute mit den diversen Strömungen umgehen.

  • Gimbal 

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 13:22

    @fungie Das GOA-Beispiel ist ein wirklich Gutes! Danke, hatte ich gar nicht so direkt auf dem Schirm, aber gebe Dir 100% Recht. Das ist definitiv eine erkennbare Subkultur der elektronischen Musik, soweit ich das wahrnehme auch eine recht gesunde.

    @GitKlar Dir stimme ich auch zu! Das bedeutet also nicht, dass eine Subkultur ausstirbt (genau wie Sub-Genre nicht aussterben), sondern lediglich, dass diese heute einfach kleiner werden (durch Abspaltung). Und letztlich hat halt nicht jede Subkultur ein erkennbares Image in Form von Kleidung etc.!

    Das ist aber noch nicht das Finale vom Thread bzw. dem Thema. 😉
    Was ist jetzt also mit Leuten (wie mir), die sich schon immer zwischen den Stühlen gesehen haben und damit quasi dem Begriff einer “Mischkultur” unterordnen. Bilden sie die Mehrheit? Ist es der eigentliche Trend, fernab vom Mainstream (Radio-Pop) aber eben doch “Querbeet” zu hören und zu feiern?

    Oder anders gefragt: Wie groß ist die Anzahl an eher intoleranten Musik-Fans, die wirklich nur ihre Nische feiern, sich (wenn vorhanden) entsprechend kleiden und sich dadurch auch erhaben fühlen?

  • GitKlar

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 13:53

    Ich glaub, weder das Eine noch das Andere lässt sich wirklich in Zahlen ausdrücken. Bin lang genug selbst noch als Metaller rumgelaufen, als ich schon diverse andere Genres gehört hatte, vllt. sogar auch mehr als Metal. Aber klar, wer ne Szene nur durch Genre-Snobs im eigenen Umfeld wahrnimmt, wird sie eher als intolerant ansehen, und das nicht zu Unrecht.

    Mal weg vom Metal muss ich aus eigener Wahrnehmung bisher sagen, dass ich v.a. die D&B-Sparte erstaunlich aufgeschlossen und vielfältig find (s. auch Thread). Vllt. liegts daran, dass es da nicht so markante Trademarks gegeben hat, und nicht so sehr an denen festgehalten wurde. Mag mich aber auch irren, weil ich die Mukke erst seit 5-6 Jahren aktiv verfolge.

  • fungie

    Mitglied
    24. Oktober 2020 um 14:28

    Mischkultur kann es denke ich nur bis zu einem bestimmten Grad geben.

    Wenn man zb den Ballerman auf Mallorca banal findet, koennte man das ja auch als versnobbt bezeichnen.
    Denen ist die Musik ja anscheinend nicht so wichtig. Bzw. wollen die immer wieder die gleichen einfachen Songs hoeren, wobei im vordergrund natuerlich das Saufen steht.

    Aber das ist ja auch ein Kultureller brauch. Ich wuerde es auch besser finden wenn da nur Scene Clubs waeren. Mit denen laesst sich aber nicht so gut Geld verdienen und daher ist die Lobby fuers saufen einfach groesser.
    Die Leute koennen sich ja nur selber entscheiden was sie machen. Selbst wenn sie von Medien und algorhythmen dahingehend erzogen werden, den leicht verdaulichen Spass vorzuziehen.

    Man kann Kultur halt nicht bewerten. Und genau da ist halt auch die Angriffsflaeche um mit hypemusik geld zu verdienen. Kann man sich drueber aergern. darf man aber nicht.

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